Khalid: American Teen im Interview

Selten bleiben Stars so bodenständig wie Khalid, wenn sie als Teenager die schwindelerregenden Höhen der Charts erreichen, mit Gold und Platin überschüttet werden und all ihren Idolen die Hände schütteln dürfen.

Der schüchterne Sänger schaffte vergangenes Jahr mit „Location“ seinen Durchbruch, war seitdem auf Kendrick Lamar-Tracks zu hören, mit Travis Scott auf Tour und schielt auf die kommenden Grammys. Zum Interview erscheint der Shooting Star überpünktlich im himmelblauen Palm Angels-Jogginganzug.

Du sitzt hier mit 19 Jahren und hast gerade die Platinplatte für dein Album überreicht bekommen. Musst du dich manchmal zwicken, um die Realität zu verstehen?
Ja, ich versuche ständig, den Künstler Khalid und den Menschen Khalid zu trennen. Es ist kaum möglich, weil sie so nah aneinander sind, aber es gibt Momente, da möchte ich einen Unterschied erkennen. Ich versuche, auf Songs dann vielleicht nicht hundertprozentig so zu singen, wie ich mit meinen engsten Freunden sprechen würde. Meine ganzen Goldplatten und Awards gehen schnurstracks zu meiner Mama, weil ich diese Dinge ungern in meiner Umgebung habe. Ich möchte nicht permanent daran erinnert werden, dass ich ein Star bin. Da bin ich lieber Fan von anderen Stars.

Funktioniert das denn gut, als mittlerweile berühmter Künstler selbst noch Fan zu sein?
Oh, das erste Mal Kendrick Lamar zu treffen hat mich beispielsweise in Schock versetzt. Ich hab versucht, ihm das nicht zu zeigen. (lacht) Aber wenn solche Künstler auf Awardshows zu mir kommen und mir sagen, dass sie meine Fans sind, kann ich das alles gar nicht glauben. Viele Stars sind auch tatsächlich kleiner als ich. (lacht) Das macht alles noch verrückter. Cardi B und Kendrick sind zum Beispiel superklein.

Du hast dieses Jahr auch dem Song „1-800-273-8255“ von Logic und Alessia Cara deine Stimme geliehen. Das war ein sehr starker Track, nicht nur verkaufstechnisch, auch inhaltlich.
Wir drei sind sehr gute Freunde geworden durch diesen Prozess. Ich hab beide über Twitter kennengelernt, Logic und ich haben uns dann unsere Alben vorgespielt bevor sie veröffentlicht wurden. Als er mir den Song gezeigt hat, war ich sofort begeistert. Der Track hat eine so kraftvolle Aussage, dass ich gerne geholfen hab. Genau wie bei der Zusammenarbeit mit Calvin Harris: Ich lerne gerne die Künstler kennen, bevor ich mich auf gemeinsame Musik mit ihnen einlasse. Nachdem Calvin und ich stundenlang geredet hatten, konnten wir uns gegenseitig viel besser verstehen. Dadurch ist der Song nochmal um ein Vielfaches besser geworden.

Mit diesen ganzen Hits könnte man fast meinen, du würdest einen Hit mittlerweile riechen können. Merkt man im Studio, wenn man große Lieder schreibt?
Ja! (lacht) Mittlerweile habe ich verstanden, was alle diese Songs gemeinsam hatten. Wenn ich einen Song auf dem Weg vom Studio nach Hause pausenlos auf Repeat hören kann, obwohl er mir bereits stundenlang im Ohr lag weil wir daran gearbeitet haben, dann habe ich einen potentiellen Hit.

Khalid SNIPES BlogDein Album „American Teen“ war sehr melancholisch. Du hast oft darüber gesprochen, dass es dein bisheriges Leben widergespiegelt hat. Seit dem Release lebst du natürlich ein völlig neues Leben. Wird deine nächste Platte also auch etwas lebensfroher?
Man kann auch auf Welttournee einsam sein. (lacht) Es wird natürlich mehr Facetten zeigen, aber das Melancholische in mir ist nunmal meine Natur, das wird immer die Basis bleiben. Außerdem möchte ich weiterhin die Geschichten meiner engsten Freunde und Familienmitglieder erzählen. Dafür bin ich hier. Und ich mache das sehr gerne.

Text: Aria Nejati

 

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