Desiigner: King of the Jungle [Interview]

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„ Ich liebe Melodien und den Soul in der Musik. Ich verstelle mich nicht, ich rede genauso wie ich rappe.“

Die 90er Jahre boten solche Geschichten noch zuhauf: „One-Hit-Wonder“ nannte man sie. Aus dem Nichts schossen Superstars aus dem Boden. Mit einem Song, der die Messlatte so hoch legte, dass selbst der Künstler daran verzweifelte. Desiigner will diesem Schicksal einen Strich durch die Rechnung machen. Mit Panda hat das mittlerweile 20-jährige G.O.O.D. Music-Signing letztes Jahr einen irrsinnig erfolgreichen Song feiern können, doch Desiigner hat viel mehr als nur Panda auf Lager. Er ist noch lange nicht müde. Wir trafen einen extrem gut gelaunten und motivierten Jungen aus Brooklyn zum Interview …

Du kommst gerade frisch von deinem Auftritt, die Sicherheitsleute hatten viel zu tun. Du standest mit etwa 200 Fans auf der Bühne. Was ging ab?
Der Auftritt war purer Wahnsinn. Die Leute hatten sehr viel Liebe für mich und haben die Songs gefühlt, dann hab‘ ich sie einfach auf die Bühne eingeladen! (lacht) Es war eine riesige Party.

Jeder scheint gute Laune zu haben, wenn du loslegst.
Es geht mir hautsächlich um positive Vibes und viel Energie. Jeder tanzt, wenn Panda angemacht wird. Das macht mich glücklich. 2016 war ein enormes Jahr für uns, aber es geht weiter. Wir sind hier, um zu bleiben. Ich will den Leuten zeigen, dass ich ein echter Künstler bin.

Du sprichst es an: Seit letztem Jahr wurde dein Leben dank Panda auf den Kopf gestellt. Ist so ein Hit auch ein großer Druck?
Panda war ein Nummer-1-Hit. Wir haben jetzt locker mehr als zehn Millionen Einheiten verkauft und es wurde mit Diamant ausgezeichnet. Der Track ist einfach aus dem Leben entstanden, es gab kein Geheimrezept. Deswegen hab‘ ich das Gefühl, dass es nochmal passieren kann. Es war keine magische Formel, die zufällig geschehen ist. Ich hab‘ jetzt keine Angst vor dem Scheitern, ganz im Gegenteil: Ich versuche, auf dem einen Hit aufzubauen. Druck empfinde ich nicht wirklich, denn ich genieße mein Leben und alles, was momentan passiert. Ich wollte schon immer Hallen füllen, die Motivation und die Vorstellung waren schon immer da!

Erzähl uns von dem Moment, als du mitbekommen hast, dass Kanye West deinen Song auf seinem Album gesampelt hat …
Das war eine turbulente Zeit. Elf Labels waren im Gespräch mit uns und haben um die Unterschrift gekämpft. G.O.O.D. Music war tatsächlich das allerletzte Team, das angerufen hat. Es war mir damals schon eine riesengroße Ehre mit Kanye am Telefon sprechen zu können. Die Woche darauf sind wir für die Verhandlung nach Los Angeles geflogen und waren ganz aufgeregt. Kanye hat uns direkt am Flughafen LAX mit einem Rolls-Royce Ghost abgeholt! Im Auto hat er seine Version von Panda gespielt – also das, was später Father Stretch My Hands Pt. 2 hieß. Er hat mich noch allen Ernstes gefragt, ob es mir gefällt. (lacht) Mega!

Wie ist die Dynamik bei G.O.O.D. Music?
Es ist beeindruckend, alle sind kreativ. Jeder von uns ist da, um einen Teil zum Gesamtkunstwerk beizutragen. Wir sind ein super Team.

Mit Pusha T habt ihr einen außergewöhnlichen Label-Präsidenten. Wie hilft er dir?
Er ist großartig! Als ich das Album abgegeben habe, hat er sich die Zeit genommen, alles mit mir durchzugehen. Die Tracklist muss stimmen, die Songs müssen richtig angeordnet sein. Er ist ein intelligenter Typ, immer Herr der Lage und bereit für ein konstruktives Gespräch. Die perfekte Besetzung als Präsident für das Team.

Du hast zum ersten Mal ein richtiges Album gemacht. War es schwer oder hat es Spaß gemacht?
Die ganze Herangehensweise war komplett neu für mich, aber es war super. Ich komme gerade zurück aus Hawaii. Dort hab‘ ich viel für die Platte aufgenommen und produziert.

Wow, Hawaii! Das war sicher eine gute Wahl …
Ja, ich musste einfach dahin! Das Meer, die Wellen, das Wetter! Alle Platten, die auf Hawaii recordet worden sind, haben das gewisse Extra. Von Watch The Throne bis hin zu Kanyes 808s & Heartbreak.

Hat es dich gewurmt, dass viele Zuhörer dich damals soundtechnisch nach Atlanta gesteckt haben?
Die Leute würden gerne einen traditionellen Sound von mir hören, weil ich aus Brooklyn komme, aber ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden. Ich liebe Melodien und den Soul in der Musik. Ich verstelle mich nicht, ich rede genauso wie ich rappe. Wenn die Leute das als „Atlanta-Sound“ wahrnehmen, dann sei es so.

Du bist dieses Jahr erst 20 Jahre alt geworden. Wer sind deine Einflüsse gewesen, als du aufgewachsen bist?
Definitiv Travis Scott. Er war der größte Einfluss. Ich kann mich daran erinnern, wie ich Videos von seinen Auftritten gesehen und meinen Jungs erzählt hab‘, was für eine irre Energie er rüberbringt. Aus der Trap-Welt war es auf jeden Fall Chief Keef, den ich mir angeschaut hab‘.

Hört man nicht oft!
Ich weiß, aber Finally Rich ist eins der besten Alben der letzten Jahre! Das werde ich noch ewig feiern.

Du hast kürzlich mit Gucci Mane zusammengearbeitet. Das muss eine Ehre gewesen sein.
Gucci ist der Trap God, der Santa Claus aus Atlanta! Es ist ein großartiges Gefühl, mit ihm arbeiten zu können. Jeder aus meiner Generation hat zu ihm hinaufgeschaut und ihn ohne jeden Zweifel als Vorbild gesehen.

Bekommst du es eigentlich mit, wenn andere Künstler deinen Panda-Style und die Adlibs nacheifern?
Es ist ein Segen, zu sehen, wie andere Künstler meine Musik genießen. Es ist irre, dass mein Sound nun überall zu hören ist. Ich hab‘ beispielsweise überhaupt kein Problem damit, wenn es Remixe von meinen Songs gibt, ich mache Musik damit andere Leute damit Spaß haben können. Am Ende des Tages sorgt alles nur dafür, dass die Marke Desiigner und der Song Panda immer größer werden.

Du scheinst ein außergewöhnliches Gefühl für Hooks und Harmonien zu haben. Probierst du im Studio viel aus?
Ich kann es nicht beschreiben – ich fühle einfach den Vibe des Beats. Und dann funktioniert alles organisch. Ich überlege da nicht lange: Entweder es passt oder es passt nicht. Hauptsache, ich lege sofort los und halte alle meine Ideen auf Band fest. Oft entstehen hitlastige Skizzen, manchmal kommt aber auch nichts dabei heraus.

Was steht als nächstes für dich an?
Meine Debütplatte kommt, mit der ich mich auf ein Neues beweisen möchte. Bleibt am Ball! Panda war hoffentlich erst der Anfang unserer Reise, ich möchte meine ganzen anderen Sounds vorstellen. Ich singe und rappe gerne, all das werde ich jetzt nach dem Riesenerfolg auf dem Album präsentieren können!

Interview: Aria Nejati

 

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